Stadt Cottbus:

Großstadt?, Vorort? oder "ausländerfreie Zone"?

Erlebnisse und Erfahrungen von ausländischen Mitarbeitern der Universität, Erzählungen und Inteviews

Ausländische Mitarbeiter der BTU Cottbus sprechen von ihren bitteren Erlebnisse mit der Universitäts-Verwaltung, mit den Behörden in Cottbus und von ihrem Alltag.

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Teil 1:

Ein Mitarbeiter der BTU Cottbus erzählt von seinen bitteren Erlebnissen in
Cottbus, schreibt von seinen Erfahrungen in Ostdeutschland, über seinen
Alltag am Arbeitsplatz, Erfahrungen mit Cottbuser Geschäften wie Auto- Werkstatt und Autovermietung und vielen anderen Tiefschlägen.

Nach einigen schlechten Erlebnissen am Anfang seines Aufenthalts in Cottbus
versucht er sich mit gutem Glauben an der BTU Cottbus Gehör zu verschaffen.
Er nimmt jene, die behaupten etwas gegen Ausländerfeindlichkeit in
Cottbus zu tun, beim Wort und versucht mit viel Geduld über seine Schwierigkeiten mit langwierigem Papierkram zu beschreiben. Er weiß, dass er nicht der Einzige ist der diese unfreundlichen Umstände gegen Ausländer erlebt. Er fragt sich warum er trotz langer Lebenserfahrung und seinen guten
Sprachkenntnissen so drastische Unannehmlichkeiten und Ausländer-feindlichkeiten erleben muss. Was würde denjenigen passieren, die noch kaum ein Wort Deutsch sprechen und aufgrund ihrer Hautfarbe schon von
vornherein keine Chance haben.

Er kämpft und weiß sich zu wehren. Schließlich denkt er doch, dass er in so
einem Land mit parlamentarischer Demokratie gleiche Rechte hat wie die
Anderen, wie die Einheimischen. Er hat doch in Grundgesetz gelesen, dass er
gleichberechtigt ist. 1

Und wie erfolgreich er auf diesem Weg ist, lesen Sie selbst:

Am 24. Januar 2000 schreibt er eine Mail an die Kanzlerin der BTU. Weiter
unten steht diese Mail. Ca. 6 Wochen später bekam er eine Antwort auf
seine Mail. Er wird zu einem persönlichen Gespräch von der Kanzlerin der BTU
eingeladen. Lesen Sie erst diese Mail. Wir werden in der Folge berichten, was er bei und nach dem Gespräch erlebt hat.

 

e-Mail:

Vorname, Nachname
e-Mail-Anschrift
Physik/Sensorik, 24. Januar 2000


An die
Kanzlerin der BTU Cottbus
Frau Dr. Gutheil
- persönlich -


Betrifft: Ihre Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit

Bezug: Informationsveranstaltung am 19.01.2000

Sehr geehrte Frau Dr. Gutheil,


Ihrer Einladung folgend habe ich an der o. g. Veranstaltung teilgenommen,
und ich möchte Ihnen zunächst einmal dafür danken, dass Sie sich um die
Sicherheit und das Wohlbefinden ausländischer Studenten und Mitbürger
Gedanken machen und etwas dafür tun wollen.
Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass Sie ernsthaft Schritte gegen
Ausländerfeindlichkeit und für eine bessere Integration von Ausländern an
der BTU unternehmen wollen. Als Betroffener -ich bin Ausländer- möchte ich daher gern zu dem Thema Stellung nehmen und Ihnen einige persönliche Erfahrungen schildern, durch die für mein Empfinden ebenfalls Vorbehalte oder gar Geringschätzung gegenüber Ausländern zum Ausdruck kommen.
Ausländerfeindlichkeit bedeutet für mich nicht nur, dass den Betroffenen
physisches Leid angetan wird (was ich natürlich nicht unterbewertet wissen
möchte). Für mich bedeutet Diskriminierung und die Unfreundlichkeit vieler
Menschen mir gegenüber vor allem auch psychisches Leid. Ich kann
"SACHSENDORF" und "HOYERSWERDA" meiden, aber ich kann mir leider den Weg zu Behörden und in Verwaltungen nicht ersparen.

Dazu nun einige Beispiele:

1.)
In der Bibliothek der BTU wurde mir eine Eilbestellung per Fernleihe
verweigert, weil es sich angeblich um einen Sonderwunsch gehandelt hätte,
ungeachtet der Tatsache, dass mein Lehrstuhl für die entstehenden Kosten
aufkommen würde. Mittlerweile erhalte ich zwar Material über die Fernleihe,
werde jedoch grundsätzlich nicht telefonisch über den Eingang der
Bestellungen informiert. Stattdessen werden sie mir als Fachpost zugestellt,
was in der Regel zu einer mehrtägigen Verzögerung des Bestelleingangs
führt (und natürlich dem eigentlichen Sinn der Fernleihe widerspricht).


2.)
Ein Mitarbeiter des Rechenzentrums kam in unseren Lehrstuhl und traf mich
allein auf dem Gang. Er sah mich bzw. starrte mich sekundenlang an und
fragte dann "ist niemand da"? Dass auch ich ein Mitarbeiter des Instituts
sein könnte, stand offenbar für ihn überhaupt nicht zur Diskussion.

3.)
All meinen deutschen Kollegen und Freunden wurden bisher die Umzugskosten
nach Cottbus erstattet, mir wurden sie zwar auch zugesagt, erstattet wurden
sie mir bisher jedoch nicht.


4.)
Im September 1999 wurde mir von der für die Vermietung von Wohnungen im IBZ zuständigen Stelle zum 01.Januar 2000 eine ganz bestimmte Wohnung
zugesichert (Wohnungs-Nr. 5), allerdings nicht schriftlich ( weil dies nicht
üblich sei, wie mir damals gesagt wurde ).
Mitte Dezember 1999 wurde mir telefonisch mitgeteilt, dass ich erst zum
Februar 2000 in das IBZ einziehen könne. Nachdem ich höflich darauf
hingewiesen habe, dass ich auf Grund der 3-monatigen Kündigungsfrist
inzwischen längst meine derzeitige Wohnung zum 31.12.1999 gekündigt habe,
wurde mir gesagt, dass ich ja gar keine schriftliche Zusage hätte und dann eben als Zwischenlösung für einen Monat in eine andere (größere) Wohnung ziehen müsse. Im übrigen stünde Wohnung Nr. 5 für mich ohnehin nicht mehr zur Verfügung, sondern nur eine größenvergleichbare im Parterre.
Was an diesem Vorgang besonders schmerzlich für mich ist, ist die Tatsache,
dass besagte Wohnung Nr. 5 inzwischen an einen deutschen Professor vermietet wurde, der erstens per definitionem kein Ausländer ist (das IBZ steht meinem Verständnis nach aber gerade für Ausländer zur Verfügung) und zweitens dieser Professor obendrein nur sehr selten überhaupt in Cottbus weilt, so dass die Wohnung die meiste Zeit unbewohnt ist.

Sehr geehrte Frau Dr. Gutheil, Sie hatten in der Veranstaltung am 19.01.2000
darum gebeten, man solle konkrete Fälle von Diskriminierung von Ausländern
benennen. Dies habe ich mit den Beispielen getan und konnte Ihnen
hoffentlich vermitteln, dass ich mich leider zurzeit (noch) Diskriminierungen ausgesetzt fühle.
Ich möchte Sie daher herzlich um Ihre Unterstützung bitten, damit auch ich
mich als ausländischer Mitarbeiter an der BTU Cottbus wohl fühlen kann.
Für Rückfragen und/oder ein persönliches Gespräch stehe ich Ihnen jederzeit
gerne zur Verfügung.


Vielen Dank und
recht freundliche Grüße

Unterschrift

Vor- und Zuname
Mitarbeiter der BTU


Ende der e-Mail

 

In der zweiten Folge dieser Serie und auf dieser Seite werden Sie bald lesen,
was bei dem persönlichen Gespräch besprochen wurde und welche Konsequenzen dieser mutige Mitarbeiter der BTU daraus ziehen musste.

Ende Teil 1

 

Redaktion, April 2002
"gegen Diskriminierung, gegen Gewalt & gegen Krieg"


1. auf der Seite 1: Grundgesetze für die BRD, die Grundrechte

 


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